Schlossherrenleben in Rapperswil

Burgen, das ist so richtig was für Bubenherzen. Ritter, Burgfräuleins und Turniere, davon träumen sie alle, „öise Bruno“ Hug der unbedingt  Schlossherr in Rapperswil werden will oder sein Vorbild Silvio Berlusconi, der ja auch „cavaliere“, Ritter, ist. Aber natürlich müssen dafür erst mal die Ausländer raus, im Fall von Schloss Rapperswil also „die Polen“.

Irgendwie kommt einem die Geschichte bekannt vor. Da war doch schon mal so ein  verhinderter Ritter, der Schlossherr zu Rapperswil werden wollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte nämlich die neu erstandene Volksrepublik Polen Hand auf das Museum gelegt und die Ortsgemeinde mit stalinistischer Propaganda geärgert. Diese kündigte – nicht ohne Mühe – den Vertrag auf. Polen nahm die Exponate nach Warschau, das Schloss war nicht nur „leer gedacht“ (Bruno Hug), es war wirklich leer. Und da kommt er ins Spiel, der andere Ritter von der traurigen Gestalt: Herbert Wolfgang Stuber Graf von Caboga-Lovatelli,  der eine Idee hatte, wie es zu füllen wäre, wenn er nur Burgherr sein dürfte. Originellerweise machte er im Schloss (das ja bekanntlich eine Burg ist) ein Burgenmuseum. Mit Burgenmodellen aus Karton. Und Zinnsoldaten darum. Und Folterwerkzeugen aus Gips. Die üblichen vorpubertären Mittelalter-Fantasien halt!

Grössere Projekte gab es nur eines: Bei der Innen-Renovation des Schlosses wurde von der polnischen Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert soviel wie immer möglich zerstört. Denn der Herr Graf war erstens natürlich ein Titelschwindler,  zweitens aber ein NSDAP-Mitglied der ersten Stunde, mehr noch: SS-Mann und als solcher, wie Himmler, ein Burgenfan. Im Reich hatte er bereits eine eigene  Burg gehabt, mit polnischen Zwangsarbeiterinnen und allem was ein Herrenmensch so braucht. Auch diese Burg hat er übrigens verschandelt. Von Burgen verstand er eben soviel wie „öise Bruno“ – nichts.

Losgeworden ist man den Betrüger übrigens wegen seinen Unterschlagungen und finanziellen Kungeleien. In die Räume zog wieder ein Polenmuseum.

Aus der Geschichte lernen heisst, nicht alles wiederholen zu müssen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *