Von Provinznestern und Weltstädten

Zürich zum Beispiel ist eine kleine Weltstadt. Eine Weltstadt ist eine weltbekannte Stadt, wo der durchschnittliche Tourist hingeht, wenn er schon mal in der Gegend ist. Denn eine Weltstadt ist auch eine weltoffene Stadt, die sich auf ihrer Internationalität was zu gute hält und mit Kulturevents oder Standortmarketing versucht, soviel Internationales wie möglich anzuziehen. Es gibt grössere Städte als Zürich, Millionenstädte, die reine Provinzstädte sind, praktisch ohne Expats, ausländische Firmen oder überregionale kulturelle Ausstrahlung (oder was haben Sie schon von  Saporoschje, Daegu oder Santa Cruz gehört?).

Und Provinzstädte sind naturgemäss die meisten Kleinstädte dieser Erde. Die versuchen tapfer das Image loszuwerden, indem sie kleine Eiffelturmkopien in den Stadtpark stellen oder ein Denkmal für Elton Johan auf dem Marktplatz errichten und sich dabei selber als Schläulinge feiern. Und genau wegen solchen Aktionen belächelt man sie ja als Provinzler.

Jetzt gibt es aber auch einige Kleinstädte mit internationalem Bezug. Oder warum etwa gäbe es sonst  ein spanisches Wort für Schaffhausen (Escafusa) und wie kommt es, dass es im Warschauer Zentrum eine Strasse für „Raperszwyl“ gibt? Natürlich liegt das an der historischen Bedeutung des Polenmuseums. Und was dort gezeigt wird, ist wieder weltläufig genug, dass man darüber auch schon in der New York Times nachlesen konnte.

Und wie kommt es, dass das Polenmuseum in Rapperswil und nicht etwa in Zürich steht? Ganz einfach: Als in Zürich vor bald 150 Jahren das Projekt einer Freiheitssäule für die unterdrückten Polen diskutiert wurde, machten die Unterdrücker gewaltig Druck. Die Zürcher Kantonsregierung zog den Schwanz vor der russischen Diplomatie ein und Gottfried Keller vermittelte Rapperswil als Standort für das provokative Denkmal. Und kurz darauf konnte zusätzlich das vernachlässigte Schloss vor dem Abriss gerettet werden und  zum polnischen Nationalmuseum im Exil gemacht werden. Daher die Bedeutung von Raperszwyl für Polen!

Echte Provinzler ficht solches natürlich nicht an. Echte Provinzler ärgern sich über Dinge, die über ihren Tellerrand reichen. Polen raus und irgendein Vampir-Grusel-Ritter-Disneyland rein! Dann ist es hier wie überall: Rum-Ta-Ta für Dummies und Pinke-Pinke für irgendeinen Lokalmatador. Provinzlerherz, was willst du mehr?

Merke: Es ist nie zu spät, einen Fehler, den man nicht gemacht hat, doch noch zu machen.  Darum: Kultur raus, Kommerz rein und tapfer vorwärts in die Bedeutungslosigkeit!

 

 

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