Gottfried-Keller-Preis für Hugs Hofschranze Gerold Späth

Gottfried Keller ist wohl der weltweit berühmteste Schweizer Schriftsteller. Seine „Leute von Seldwyla“ gibt es eben auch überall – Menschen, die sich selbst zu wichtig nehmen, verlogen und letztlich einfach raffgierig sind; solche Menschen leben ja nicht nur in der Schweiz. Und Keller liess sich von ihnen auch nicht den Schneid abkaufen, sondern glaubte an die Vernunft, die sich mit einer Demokratie durchsetzen würde. So unterstützte er auch den polnischen Freiheitskampf und setzte sich dann auch für die Flüchtlinge aus Polen in der Schweiz ein. Nur durch seine Vermittlung entstand das Polenmuseum in Schloss Rapperswil.  Und da gab es auch noch einen Hintergedanken: Mit den Leuten, die Keller schweizweit in den Polenkomitees mobilisierte, half er mit, den allein mächtigen Mann der Schweiz, den Eisenbahnbaron Escher, zu stürzen und die direkten Volksrechte in der Schweiz in die Verfassung zu bringen.

 

Kein Wunder gibt es unter den vielen Literaturpreislein der Schweiz auch einen Gottfried-Keller-Preis. Und 2010 bekam diesen Preis Gerold Späth.  Es geht nämlich die Mär, dass Späth den Rapperswilern mit seinen Romanen derart gründlich den Spiegel vorgehalten  und sich mit (lokal)politischem Querschiessen so unbeliebt gemacht habe, dass er praktisch gezwungen gewesen sei ins Exil zu gehen. Von dort ist er aber jetzt zurück und kriegt zum Einstand besagten Gottfried-Keller-Preis. Was die Jury wohl nicht wusste: Gerold Späth gehörte schon 2008 zum Phantomverein „Pro Schloss“ von Bruno Hug, der sich bekanntlich das Schloss Rapperswil unter den Nagel reissen will. Und dafür wollen Hug und seine Entourage ja das von Gottfried Keller mitbegründete Polenmuseum liquidieren.

Den Gottfried-Keller-Preis für einen Schriftsteller, der Beutezüge eines windigen Seldwyla-Lokalmatadors unterstützt statt solches denunziert? Für einen, der das von Gottfried Kellers initiierte Polenmuseum mit dem Schlachtruf „Polen raus!“ liquidieren will?

Da hatte die Jury wohl Tomaten auf den Augen.

Kleine Anfrage an die Damen und Herren Juroren: Gibt es da eigentlich auch eine Preisaberkennungsverfahren wie bei den gemogelten Doktorarbeiten?

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