Monthly Archives: September 2016

Von Böcken und Gärtnern

Öise Bruno“ Hug, Polenfresser und Westentaschen-Berlusconi am oberen Zürichsee, will jetzt auch noch Stadtpräsident von Rapperswil-Jona werden. Dann kann er dann mit der Rechten unterschreiben, was er mit der Linken beantragt hat. Überraschende Gratiswahlwerbung gibt es von der NZZ. Ihr journalistischer Neuzugang, Lucien Scherrer, nutzte die Sommerflaute um seiner Bewunderung für den „millionenschweren Unternehmer und Verleger“ in einem seitenlangen Artikel freien Lauf zu lassen. Scherrer kommt schliesslich von der Weltwoche zur NZZ (warum eigentlich?), dass ihn Millionäre mit verlegerischen und politischen Ambitionen faszinieren, erstaunt da weiter nicht wirklich. Und schon in der Weltwoche hat er‘s mit der Recherche nicht immer so genau genommen. So auch hier. Scherrer schrieb:

„Einerseits müssen selbst seine Gegner einräumen, dass er viel Positives bewirkt hat. So ist es massgeblich Hugs Initiative zu verdanken, dass die Gemeinden Rapperswil und Jona im Jahr 2005 doch noch fusioniert haben, nach jahrzehntelangem Lavieren. Oder dass das Schloss von einem mässig populären Polenmuseum befreit werden soll.“

Mässig populär? Kein Museum zwischen den Städten Zürich und Rapperswil hat eine derart hohe Besucherfrequenz, rund 10‘000 Eintritte pro Jahr. Und kostet die öffentliche Hand so wenig: 0 Fr.

Und „befreit“ werden? Hat ihm Bruno wieder erzählt, „die Polen“ auf dem Schloss, das sei wie  damals die Franzosen in Algerien? Und der Scherrer übernimmt diesen Unsinn bis in den Wortlaut?

Scherrer hin, Populismus her, man kann jedenfalls gespannt sein, wie viele in Rapperswil-Jona bereit sind, den Bock zum Gärtner zu machen. Und was der Bock dann noch alles so fressen will.

Von Grabschändern und Meuchelmördern

 

Warum eigentlich ist die Leugnung des Holocausts ein Straftatbestand? Und warum ärgert sich die offizielle Türkei, wenn man den Völkermord an den Armeniern als solchen bezeichnet?

Weil es stossend ist, wenn die Mörder von damals frech ihre Tat bemänteln. Und weil es eine nachträgliche Verhöhnung der Opfer ist, wenn die Mörder nach der Bluttat noch bestimmen wollen, was man von den Ereignissen zu halten hat.

Was schaudern macht, ist letztlich die niedere Gesinnung der Täter. Noch mit dem blutverschmierten Messer in der einen Hand und der geraubten Beute in der andern, lügen sie ihre Tat schön.

Im viel kleineren Massstab, auf der Ebene des bauernschlauen Seldwyla, lässt sich eine solche Bemäntelungspolitik auch bei der geplanten Vertreibung „der Polen“ aus dem Schloss Rapperswil beobachten. Im neuen Schloss-Konzept sei ja weiterhin ein Polenmuseum vorgesehen, berichteten einige naive Jungjournalisten anlässlich dessen Vorstellung. Die Polen würden also gar nicht vertrieben? Doch, natürlich! Das ist ja gerade das Ziel der Übung. Um dies zu bemänteln haben die Konzeptmacher einen Ausstellungsraum UEBER das Polenmuseum eingeplant (immerhin ja das einzig Berichtenswerte aus der Geschichte des Schlosses – das hat man offenbar inzwischen sogar bis in die einschlägigen fremdenfeindlichen Kreisen hinein einsehen müssen.) Eine Ausstellung über das Polenmuseum also, das man gerade dabei ist gewaltsam zu schliessen? Natürlich, denn so können die neuen Schlossherren und Museumsmörder die Inschrift auf dem Grabstein des Opfers auch noch selber bestimmen. Wie so etwas aussehen könnte hat Hugs Duzfreund Steiner ja schon mal skizziert:  Auf- und abfahrende Koffer zeigen den Auszug des Polenmuseums. Verhöhnung der Opfer, eben.