Von Grabschändern und Meuchelmördern

 

Warum eigentlich ist die Leugnung des Holocausts ein Straftatbestand? Und warum ärgert sich die offizielle Türkei, wenn man den Völkermord an den Armeniern als solchen bezeichnet?

Weil es stossend ist, wenn die Mörder von damals frech ihre Tat bemänteln. Und weil es eine nachträgliche Verhöhnung der Opfer ist, wenn die Mörder nach der Bluttat noch bestimmen wollen, was man von den Ereignissen zu halten hat.

Was schaudern macht, ist letztlich die niedere Gesinnung der Täter. Noch mit dem blutverschmierten Messer in der einen Hand und der geraubten Beute in der andern, lügen sie ihre Tat schön.

Im viel kleineren Massstab, auf der Ebene des bauernschlauen Seldwyla, lässt sich eine solche Bemäntelungspolitik auch bei der geplanten Vertreibung „der Polen“ aus dem Schloss Rapperswil beobachten. Im neuen Schloss-Konzept sei ja weiterhin ein Polenmuseum vorgesehen, berichteten einige naive Jungjournalisten anlässlich dessen Vorstellung. Die Polen würden also gar nicht vertrieben? Doch, natürlich! Das ist ja gerade das Ziel der Übung. Um dies zu bemänteln haben die Konzeptmacher einen Ausstellungsraum UEBER das Polenmuseum eingeplant (immerhin ja das einzig Berichtenswerte aus der Geschichte des Schlosses – das hat man offenbar inzwischen sogar bis in die einschlägigen fremdenfeindlichen Kreisen hinein einsehen müssen.) Eine Ausstellung über das Polenmuseum also, das man gerade dabei ist gewaltsam zu schliessen? Natürlich, denn so können die neuen Schlossherren und Museumsmörder die Inschrift auf dem Grabstein des Opfers auch noch selber bestimmen. Wie so etwas aussehen könnte hat Hugs Duzfreund Steiner ja schon mal skizziert:  Auf- und abfahrende Koffer zeigen den Auszug des Polenmuseums. Verhöhnung der Opfer, eben.

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